18. Dezember 2020

 

„Ist der Mensch das klügste Wesen, weil er Hände hat, oder bekam er Hände, weil er das klügste Wesen ist?“

Anaxagoras

Einst setzte der Philosoph und Vorsokratiker Anaxagoras die Aussage „der Mensch ist das klügste Wesen, weil er Hände besitzt“. Die Hände sind ein vielfältiges und auch recht einzigartiges Werkzeug der Natur. Neben den Menschen und menschenähnlichen Wesen besitzen alle anderen Tiere anstatt von Händen andere Gliedmaßen, bzw. Werkzeuge. Sollte man jemandem, der eine Flöte besitzt, beibringen, auf ihr spielen zu können, oder sollte man jemandem, der es bereits kann, eine Flöte zur Verfügung stellen? (Dies ist eine Metapher)

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Laut Aristoteles ist der Mensch auch nicht das vernünftigste Wesen, weil es Hände hat, sondern weil er das vernünftigste Wesen ist, hat er Hände. Alles hat in der Natur ihren Sinn und Platz. So hat der Mensch, welcher viele Komplizierte Vorgänge schaffen kann, die Hand als Multiwerkzeug bekommen, mit dem er diese Vorgänge auch bewältigen kann. Im Gegensatz zu vielen Tieren hat der Mensch dank seiner Hand als Multiwerkzeug die Möglichkeit, nicht nur eine spezifische Funktion, sondern gleich mehrere Funktionen auszuführen. Wenn man als Beispiel den Raben nimmt. Der Rabe hat als „Hauptwerkzeug“ seinen Schnabel. Mit dem Schnabel kann er nach Nahrung suchen, indem er z.B. an einer Baumrinde kratzt oder in der Erde auf einem Feld herumstochert. Der Mensch ist mit der Hand in der Lage, über die Funktion des Schnabels hinauszugehen. Z.B. ist er in der Lage mit den Händen Werkzeuge zu bauen, die den Schnabel eines Raben ersetzen und sogar auch überbieten könnten. Jürgen Lethmate sieht die Hand ebenfalls als ein äußerst ausgeprägtes Multiwerkzeug.  Er nennt die Hand, wie sie wir Menschen haben, z.B. auch das „Meisterorgan“, da, wie bereits erwähnt, recht vielseitig ist. Im Gegensatz zu anderen Tieren haben wir auch die Fähigkeit eine weitreichende Gestik mit unseren Händen zu nutzten und auszuüben. Z.B. grüßen wir damit, sagen danke, betteln um etwas, umarmen uns gegenseitig oder zeigen auch explizit auf Dinge. Anders gesagt, helfen uns Hände dabei, unsere Emotionen weiter hervorzubringen, generell z.B. zu verdeutlichen, was wir meinen.

Tiere, die ebenfalls Hände besitzen, sind z.B. die Primaten. Primaten besitzen wie wir Menschen ebenfalls Hände mit einem Daumen. Im Gegensatz zu uns Menschen besitzen sie streng genommen sogar vier Hände, da ihre „Füße“ ebenfalls ein Sattelgelenk und darum auch einen Daumen besitzen. Primaten (insbesondere die Schimpansen) sind also genau wie wir Menschen in der Lage mit den Händen durch Gestik zu kommunizieren und sich auszudrücken. Sie wären theoretisch ebenfalls in der Lage, wie wir Menschen, das Multitasking auszuführen. Wenn man als Beispiel das Kochen nimmt. Beim Kochen wird gefordert, dass man mehrere Dinge gleichzeitig macht, wie das Schneiden von Gemüse, Kräutern etc. und das Wenden bzw. Bedienen einer Pfanne auf dem Herd. Schimpansen besitzen in der Theorie genau die gleichen kognitiven Fähigkeiten wie der Mensch, die für das Kochen notwendig sind. Sie tun es aber nicht. […] Der Mensch wäre also nicht das klügste Wesen, weil er Hände hat. Aber er hat die Klugheit, sie so vielseitig zu verwenden.

Aber alle Tiere nutzen ihre Hände oder was sie stattdessen haben, um Kontakt zueinander aufzunehmen, für Gesten, die nur einen einzigen Zweck haben, nämlich die Beziehung zu einem anderen herzustellen oder zu stärken. Affen lausen sich, was eine soziale Aktion ist. Vögel schnäbeln miteinander, um ihre Verbundenheit auszudrücken. Kein Zeichen auf der Welt zeigt deutlicher an, dass Menschen einander zugetan sind, als das, sich an den Händen zu halten.

Gerade in der Pandemie ist es das Schönste, noch jemanden zu haben, der einem die Hand hält. Und gerade jetzt ist es das Unklügste überhaupt, da sich das Virus so leicht weiterverbreiten kann. Unser Multiorgan ist also einmal mehr gefragt, eine Möglichkeit herzustellen, uns zu berühren, ohne uns zu berühren. Wir müssen im wahrsten Sinne des Wortes über uns hinauswachsen. Zum Glück haben wir dafür die Multiwerkzeuge, unsere Hände. Und die Klugheit, sie richtig einzusetzen.

mit Jonas und Malte

 

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