14. Dezember 2020

Der Mensch- eine Maschine?

 

  „Der Mensch ist nur ein Tier oder eine Zusammensetzung von Triebfedern“ La Mettrie 1748

 

Ohne einem gegebenen Impuls, können die Menschen nicht handeln. Dies macht sie zu Maschinen, da diese auch nicht selbständig handeln können, das heißt, dass der Mensch nur von Impulsen angetrieben wird. Wie das Tier bloß in Reiz-Reaktionsmustern agiert, so ist es auch mit dem Menschen. Schlimmer noch: Der „Mensch“ verhält sich wie jeder andere Gegenstand in der Welt. Er ist laut La Mettrie in einer Reaktionskette gefangen, die man nicht unterbrechen kann. Das stellt ein ethisches Problem dar, denn unsere Erfahrungen sind andere. Denn in unserer Welt wird diese Ursachenkette jedoch durch Gesetze, Regeln und die eigene Erziehung unterbrochen oder sogar umgangen. Diese Regeln und Gesetze sind unvermeidbar, was natürlich dem Zitat von La Mettrie widerspricht. Zwar könnte man behaupten, dass auch Gesetze, Regeln und Erziehung in die Ursachenkette mit aufgenommen werden und so die Reaktionskette nicht unterbrochen, sondern nur verkompliziert wird, aber das wäre, wie gesagt, ein großes ethisches Problem.

Denn wie soll der Mensch Gutes tun, wenn das, was er tut einfach nur Ursache einer Kettenreaktion ist und keine Wahl? Wie könnten wir Menschen unterstellen, überhaupt irgendetwas absichtlich zu tun, wenn sie gar nicht die Wahl haben, sich für oder gegen eine Handlung zu entscheiden, weil die Handlung durch ihre Ursachen sowieso vorbestimmt ist?

Als Menschen erwarten wir, dass jemand Gründe für sein Handeln angeben kann und nicht nur Ursachen. Einen Grund zu haben bedeutet aber, etwas absichtlich zu tun, weil man es tun will und nicht, weil man dazu biologisch oder psychologisch gezwungen ist.

Wenn wir z.B. im Sommer gelesen haben, dass in Venedig die Wasserqualität so sehr steigt, dass Fische und Delfine in der Bucht gesichtet wurden, kann man als Ursache dafür angeben, dass durch den Lockdown – gerade die Verbote bei der Kreuzschifffahrt – so viel weniger Schadstoffe das Mittelmeer vergiften, dass sich das Ökosystem erholen kann. Leider haben wir diesen Zustand (steigende Wasserqualität) aber nicht absichtlich herbeigeführt, das heißt, wir haben nicht deshalb die Kreuzschifffahrt eingestellt, damit sich das Ökosystem erholen kann. Es handelt sich lediglich um eine Folge des Lockdowns, der beabsichtigte, die Verbreitung vom Corona-Virus zu unterbinden. Beabsichtigt waren also niedrigere Ansteckungszahlen, für die der Lockdown ein Grund ist (Absicht), für die steigende Wasserqualität in Venedig ist der Lockdown lediglich eine Ursache (unabsichtlich).

Unser ethisches Problem, den Menschen als Maschine zu sehen, besteht also nicht darin, dass der Mensch biologisch, physiologisch und chemisch in den Kreislauf von Ursache und Wirkung eingebunden ist, sondern dass La Mettrie behauptet, es gäbe nur diese Reaktionskette, der der Mensch ausgeliefert ist. Wenn das aber der Fall ist, können wir von niemandem verlangen, sich anders zu verhalten, als er es tut. Und das hieße, dass niemand dazu aufgefordert werden kann, sich richtig zu verhalten, weil er sich sowieso nicht anders verhalten kann, als er es tut.

Gutes Handeln wäre damit immer ein Zufallsprodukt, ein Kollateralglück, eine unbeabsichtigte Wirkung. Ethik, Moral, freies Handeln wären unmöglich.

Die Menschen können sich durch die, in der heutigen Zeit bestehenden, Gesetze und Regeln nicht wie laut La Mettrie von Impulsen leiten lassen, sondern müssen sich an die Gesetze und Regeln, die heutzutage gelten, halten, da diese sonst bestraft werden, wodurch sich die Menschen nicht wie Maschinen verhalten können.

Das setzt aber voraus, dass wir mehr als Maschinen sind. Es setzt voraus, dass wir mehr können, als bloß intuitiven Reaktionen nachzugeben. Wir müssen einen freien Willen voraussetzen. Wie müssen voraussetzen, dass wir uns entscheiden können, wie wir handeln wollen. Wir müssen voraussetzen, dass wir die Freiheit haben, aus einem Grund heraus zu handeln und damit neue Ursachen-Wirkungs-Ketten in der Welt anzustoßen.

Seit mehr als 2000 Jahren war es der Mythos von Jesus Geburt, der mit der Idee der Nächstenliebe eine neue Wirkungskette in die Welt brachte.

Lasst uns diesem Beispiel folgen und dieses Weihnachten selbst entscheiden, welche Wirkungskette wir anstoßen wollen. Entscheiden wir uns gegen die Ansteckungskette und für mehr Liebe und Verantwortung in unserer Gesellschaft.

 

Redaktionelle Aufbereitung der Textgrundlage von Felix und Tom

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