12. Dezember 2020

Der Mensch als Gefühlswesen

“Es wäre besser für unser Leben, wenn bestimmte Gefühle und Stimmungen wie Zorn,
Depression, Trotz ausstürben.” – Martin Löw-Beer

Der erste Eindruck der Aussage vermittelt einen optimistischen, nahezu euphorischen
Wunschgedanken, welcher die Welt als fröhlicheren Ort gestalten würde, sofern das
Aussterben negativer Gefühle und Stimmungen eintreffe. Nur ist ein Aussterben
überhaupt möglich?
Martin Löw-Beer empfindet bestimmte Gefühle als bereichernd, wenn nicht sogar
notwendig, da sie dem Überleben und der Reproduktion von Individuen dienen, sowie der
Gesellschaft, da sie zu kooperativem Handeln motivieren. Jedoch sind eben auch
negative Gefühle ein fester Bestandteil in der Gesellschaft und somit auch in der
Menschheit. Diese Negativität kann sich schnell ausbreiten und somit sogar zu
Katastrophen führen, wie Konflikten und Kriegen, weshalb sie aus der Sicht vieler Menschen durchaus überflüssig ist.
Doch die Negativität aussterben zu lassen, ist nahezu unmöglich, da negative Gefühle
eine, in uns verankerte, Grundeigenschaft ist. Sie schützten unsere Vorfahren Jahrhundertelang vor Gefahren, waren Warnsignale und Adrenalinpuscher. Sie können einfach nicht dauerhaft
unterdrückt werden. Einzelne Individuen vermögen es vielleicht, ihre negativen Gefühle für
ich zu behalten und sie zu verdrängen und alles scheinbar positiv zu sehen, doch dies lässt sich
nicht auf die ganze Menschheit beziehen. Zum Einen, weil jedes Individuum einzigartig ist
und deshalb auch die Gefühle, die jeder in sich trägt, unterschiedlich verarbeitet werden. Während der eine seine Wut herausschreien muss, reicht es dem anderen, die Hände zu ballen und die Zähne zusammenzubeißen.
Zum Anderen, weil negative Gefühle in gewissen Situation ein wichtiger Bestandteil sein
können und teilweise sogar notwendig sind, denn es würde überhaupt keine gesellschaftliche Entwicklung geben, wenn die Konflikte nicht durch Gefühle entstehen und ausgetragen werden würden. Und wenn es keine negativen Gefühle gäbe, woher wissen wir dann, wann wir positive haben? Daher ist es keine Option, dass negative Gefühle und Stimmungen aussterben, es fragt sich nur, wie damit umzugehen ist.

Momentan befinden wir uns in einer großen Krise, die von der Pandemie Covid-19
ausgelöst wurde. Durch diese Krise müssen abrupte Änderungen in unserem
Zusammenleben geschehen. Die allgemeine Maskenpflicht stößt dabei vielen auf. Jetzt
stellt sich die Frage: „Warum lehnen die Menschen sich gegen eine Regel auf, die doch
unsere Mitmenschen und uns selbst schützt?“. Diese Frage ist auf unsere vollkommen
natürlichen und zu Menschen dazugehörenden Gedanken zurückzuführen: Wir handeln aus Gefühlen wie Frust, Wut und Zorn heraus, was es uns erschwert, die Lage objektiv zu betrachten. Martin Löw-Beer empfindet eben solche Gefühle als Last. Da negative Gedanken aber ein fester Bestandteil der Menschheit sind, sollte darauf geachtet werden, dass sie unsere objektive Sicht nicht beeinträchtigen und in einem Fall, wie in der Maskenpflicht, nicht anderen Menschen schadet oder sie gefährdet.

Das heißt, die Aufgabe jedes Individuums sollte sein, sich zu fragen: Wenn du dich in einer Situation befindest, die nicht nur dich, sondern auch deine Nächsten betrifft, denke zuerst nach:
Lässt du dich von diesen negativen Gefühlen leiten? Oder denkst du an andere und lässt
dich von positiven Gefühlen wie Nächstenliebe und Empathie leiten?

Vor allem jetzt in dieser schönen und besinnlichen Weihnachtszeit, sollten wir uns nicht
gegen die bevorstehenden schwierigen Zeiten auflehnen, wüten und toben.
Der kommende Lockdown erfreut niemanden, jedoch ist er notwendig für unser
Allgemeinwohl und den Kampf gegen Corona!

Lasst uns zusammenhalten, unsere negativen Emotionen akzeptieren lernen und Platz für
schöne Gefühle schaffen!

Pia und Nadja

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