5. Dezember 2020

Fünfter Dezember

Wie kann man einen Staat rechtfertigen?

Aristoteles (384 v. Chr. – 322 v. Chr.)

Die Frage danach, wie man einen Staat rechtfertigen kann, beschäftigt seit vielen Jahrzehnten die Philosophen und Politiker. Dabei gibt und gab es immer wieder unterschiedliche Ansätze, wie man diese Fragestellung ausreichend beantworten kann. Ein zentraler Aspekt der Problematik ist die Definition des Begriffs “Staat”, aber auch hier scheiden sich die Geister.

Bereits in der Antike vertrat Aristoteles eine interessante Meinung zu diesem Thema. Er definierte den Staat als eine Gemeinschaft von gleichrangigen Personen, die dem Zwecke dient, dass die beteiligten Personen ein möglichst gutes Leben haben. Das bedeutet, dass in Aristoteles Staatsvorstellung der Staat unabdingbar ist für das Glück und die vollständige Entfaltung des einzelnen Individuums. Nur in einer Gemeinschaft könne der Mensch zu einer vollständigen Person heranreifen und seinen Charakter komplett entwickeln. Zusätzlich gäbe der Staat dem Menschen noch differenzierte materielle Sicherheit.

Aristoteles sieht die staatliche Gemeinschaft als eine im natürlichen Wesen des Menschen bereits vorhandene Anlage. Unter Berücksichtigung dieser Theorien benötigt der Staat keine Legitimation mehr. Er rechtfertigt sich in sich selbst, indem er ein Teil der menschlichen Veranlagung ist. Dadurch ist auch die Antwort auf die anfangs gestellte Leitfrage aus Aristoteles’ Sicht sehr einfach: Der Staat braucht keine Rechtfertigung, weil er die Bedingung für ein erfülltes Leben des Menschen ist.

Doch ist die Antwort auf die Frage nach der Rechtfertigung eines Staats wirklich so einfach? Es sollte zumindest kritisch betrachtet werden, ob alle Individuen an den Staat, als Mittel um Glück zu erlangen, die gleichen Ansprüche und Bedingungen stellen. Ebenso ist fraglich, ob es wirklich der Staat ist, der benötigt wird, um den eigenständigen Charakter des Menschen auszubilden.

Abschließend kann festgehalten werden, dass Aristoteles’ Theorie zwar ein möglicher Ansatz zur Klärung dieser Frage ist, allerdings auch bei dieser noch einige Fragen offenbleiben.

Henriette R.

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