Lieber Herr Langer, wie stellen Sie sich Ihr erstes Mal vor?  

Ich hoffe, es wird schön…

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Das Literarische Café ist die erste Veranstaltung, die die IGS ins Leben gerufen hat und findet so nur an unserer Schule statt. Im Literarischen Café können Schüler und Schülerinnen ihre eigenen, selbst geschriebenen Texte einreichen und diese an einem bunten Abend selbst vorlesen – oder vorlesen lassen. Grundsätzlich kann man schreiben, worüber und in welcher Textform man möchte. Häufig werden auch Texte eingereicht, die SchülerInnen privat geschrieben haben und an dieser Stelle die Möglichkeit bekommen, diese auch einem kleinen Publikum zu präsentieren. Dies geschieht in einem gemütlichen Rahmen mit viel Kaffee und Kuchen und liebevollem Rahmenprogramm.

Grundsätzlich sind die Texte nicht themen- oder formgebunden. Doch in diesem Jahr gab es ein Motto:

,,Wer spricht von siegen? – Überleben ist alles!”

Das erste Motto-Jahr ist nicht nur in dieser Hinsicht eine Premiere, sondern auch für das Planungsteam, unter anderem für den – aus dem Literarischen Café als Vorleser schon gut bekannten – Kollegen Herrn Langer.

Wir haben ihn getroffen und zu seinem bevorstehenden ersten Mal umfassend und tiefgreifend interviewt.

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Herr Langer, bitte erklären Sie uns doch das Motto des diesjährigen Literarischen Cafés.

Also erstens habe ich das Motto sehr interessant gefunden. Einerseits stellt es einen literarischen Bezug zu Rainer Maria Rilke her, andererseits ist es sehr offen für Deutungen und bietet viele Anknüpfpunkte an. Außerdem ist es gegenläufig zum aktuellen Zeitgeist, der sich nur mit Superlativen zufrieden gibt. Wir leben in einer Welt der Selbstoptimierer, in der man in allem der beste, der schnellste, der schlauste sein muss. Das Motto ist auf eine interessante Weise unmodern.

Inwiefern unmodern?
Der Erfolgstraum ist weiterhin sehr groß. Immer noch gilt es, vom Tellerwäscher zum Millionär zu werden. Dieses Motto fungiert als Kontra-Punkt – “The sweet sexyness of being defeated” – daran habe ich mich erinnert gefühlt.

Wieso ist das im Kontext der Schule interessant?
Widerspüchlichkeit kann Krerativität auslösen – es ist anders und nicht üblich – inhaltlich habe ich nicht vorgedacht, also sind wir auf alle Ergebnisse neugierig und offen für das, was die Schüler daraus machen.

Wie kann man sich auf das Literarische Café vorbereiten?
Auf jeden Fall sollte man das Motto im Kopf behalten. Es geht darum, eine Erfahrung zu machen. Das ist eine krasse Situation, auf einer ausgeleuchteten Bühne zu sitzen und sein Inneres nach außen zu kehren. In der Live-Situation ist das eine absolut spannende Erfahrung, einen privaten Text in der Öffentlichkeit wildfremden Menschen zu präsentieren. Man wird angestrahlt und man muss zum Mikro in einem besonderen Abstand sprechen. Daran muss man sich erstmal gewöhnen.

Das Schlimmste, das passieren kann, wäre ein Blackout. Aber das ist in den zehn Jahren, in denen ich das Literarische Café gesehen habe, noch nie passiert. Jeder kam durch. Und hinterher ist man wahnsinnig stolz – einfach, weil man es geschafft hat.

Was würde denn passieren bei einem Blackout?
Also einerseits gestalten wir das Literarische Café so, dass man sich auch als Vorlesender wohlfühlen darf. In diesem Jahr haben wir z.B. auch eine gemütliche Sofaecke. Wenn man nicht weiter kommt, dann fangen das unsere wirklich bemerkenswert guten Moderatoren auf – und wir als Lehrer können natürlich auch einspringen.

Wenn man sich kurz vor dem Auftritt zu unsicher ist, kann man auch einen anderen Beitrag vorziehen. Manche schreiben aber nur gerne und wollen gar nicht vorlesen. Die können ihre Texte auch von anderen Kindern oder Lehrern vorlesen lassen –  im Idealfall hat man schon bei der Abgabe jemandem gefunden.

Wie kann ich das Komitee von meinem Text überzeugen?
Oft sind die Zugangsweisen interessant – das passiert häufig spontan – man hat eine Idee, einen Clou. Der kann lustig oder auch ernst sein. Ich zum Beispiel schreibe Sachen nicht runter wie einen Bericht, sondern ich habe eine Idee, wie ich Sprache forme. Daraus entsteht Wunderliches und manchmal Wunderbares.

Auf jeden Fall sollte man seinen Text vorher mal anderen Menschen präsentieren und dann Hinweise nutzen um an den Texten weiterzuarbeiten. Kein Text ist jemals ohne Überarbeitung ausgekommen. Lest die Texte euren Eltern oder MitschülerInnen vor, vielleicht auch einer Lehrkraft und arbeitet gerne auch gemeinsam daran.

Was ist dieses Jahr zu erwarten?
In diesem Jahr werden wir voraussichtlich einen Mottoblock haben, aber auch viele andere Texte. Außerdem gibt es ein exquisites Rahmenprogramm: Wir haben tolle Moderatoren aus der Oberstufe, Musiker, multimediale Texte (also Filme), ein Oberstufenkurs macht einen Beitrag aus dem Bereich des Darstellenden Spiels und ein Lehrertheater begleitet uns durch den Abend mit kurzen Szenen aus dem Lehreralltag.

Wenn Sie sich etwas wünschen könnten, was wäre das?

Wir wünschen uns natürlich eine weitere Steigerung der Zuschauerzahlen – denn diese stagnieren seit dem ersten Jahrgang – anderserseits ist der kleinere, intimere Rahmen auch schön. Ich kann mich nicht entscheiden.

Wir als Orgateam machen das das erste Mal und sind total aufgeregt. Auf lange Sicht wünsche ich mir, dass es wieder als cool wahrgenommen wird, beim Literarischen Café mitzumachen. Es war das erste Projekt der IGS und wir sind die einzige Schule, die das macht. Es soll weiterleben.

Wir wünschen Ihnen, was man vor dem ersten Mal immer nur raten kann: Genießen Sie es.

Vielen Dank für die Zeit, die Sie sich für uns genommen haben, und die intimen Einblicke.

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